Beinachsfehlstellungen.

"Ausgeprägte Beinachsfehlstellungen führen zu einer einseitigen Fehlbelastung im inneren oder äußeren Kniegelenk, welche vermehrten Knorpelverschleiß und Gelenkschäden (Arthrose) hervorrufen können."

Im Normalfall sind die Beine gerade gewachsen, wobei geringe Abweichungen nicht als krankhaft zu bewerten sind. Gerade Beine führen zu einer optimalen Gewichtsbelastung in der Mitte des Kniegelenks. Ausgeprägte Beinachsenfehlstellungen (umgangssprachlich als „O-Beine“ / „X-Beine“ bezeichnet) führen hingegen zu einer einseitigen Mehr- oder Fehlbelastung im inneren oder äußeren Kniegelenk, welche wiederum vermehrten Knorpelverschleiß und Gelenkschäden (Arthrose) hervorrufen können. „O-Beine“ treten häufiger bei Männern und „X-Beine“ häufiger bei Frauen auf.

Eine Achsfehlstellung an den Beinen kann aufgrund einer Vielzahl von Ursachen auftreten. Wachstumsstörungen, Unfälle, entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Tumoren, Lähmungen, Übergewicht, angeborene Systemerkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen sind hier als mögliche Gründe zu nennen.

Diagnostisch wird die Beinachse wird beim stehenden Patienten mit nach vorne zeigenden Kniescheiben beurteilt. Hiebei wird der Innenknöchelabstand beim „X–Bein“ oder der Abstand zwischen den Kniegelenken beim „O-Bein“ gemessen. Die röntgenologische Beurteilung erfolgt anhand von Ganzbeinaufnahmen unter Belastung (Einbeinstandaufnahmen). Diese sind zur Planung der operativen Beinachsenkorrektur unerlässlich.

 

KONSERVATIVE THERAPIE:

THERAPIE BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN
MIT OFFENEN WACHSTUMSFUGEN

Solange sich das Skelett im Wachstum befindet, kann mit einer Wachstumslenkung die gewünschte Korrektur der Achsfehlstellung erreicht werden. Hierbei werden gezielt Wachstumsfugen vorübergehend oder permanent verschlossen, das Bein wächst dadurch „von alleine“ in die gewünschte Richtung und die Beinachse korrigiert sich selbst.

 

THERAPIE BEI ERWACHSENEN:

Bei zu starker Deformierung der Beinachsen, nur geringen, oder beginnenden Beschwerden und noch nicht fortgeschrittenen Verschleißerscheinungen des Kniegelenkes werden folgende Therapien empfohlen:

  • Reduktion der Kniebelastung durch die Wahl knieschonender Sportarten
    (z.B. Schwimmen, Radfahren, Walking, Training im Fitnessstudio usw.).
  • Reduktion des Körpergewichtes (was Sie schon immer vor hatten)
  • Randerhöhung an den Schuhsohlen
  • gezielte Gangschulung nach Ganganalyse und ggf. Einlagenversorgung
  • Injektionen in das Arthrosegelenk mit Hyaluronsäure
  • Kombination mit Glucosamin- & Chondroitintabletten.
  • Knieorthese
  • Physikalische Therapie
  • Akupunktur

 

OPERATIVE THERAPIE:

Durch eine Umstellungsosteotomie wird die „kranke“ Beinachse in das noch intakte Gelenkkompartiment verlagert. Bei der Varusfehlstellung (dem sog. O-Bein) durch eine valgisierende Umstellung, bei der Valgusfehlstellung (dem sog. X-Bein) in durch eine varisierende Umstellung. Dadurch wird der Kranke Gelenkanteil entlastet, die Belastungsschmerzen werden deutlich reduziert, der weitere Knorpelverschleiß verzögert, sodass der endoprothetische Ersatz des Kniegelenks vorerst vermieden werden kann.

Vor einem operativen Eingriff wird immer das Ausmaß der Fehlstellung mit einer Ganzbeinaufnahme im Röntgen festgestellt. Dies, um das Ausmaß der Verkrümmung festzustellen und um die gewünschte Korrektur zu errechnen.

Falls nicht kurzzeitig zuvor eine Gelenkspiegelung gewesen ist, erfolgt eine Gelenkspiegelung des Kniegelenkes. Hier wird der Knorpelüberzug im inneren und äußeren Gelenkabschnitt sowie im Kniescheibengleitlager beurteilt und ggfs. krankhafte Veränderungen im Gelenk behandelt, z.B. Meniskuläsionen, Knorpelglättungen, etc. Im Rahmen der Gelenkspiegelung können ebenfalls vorliegende Knorpel-/Meniskusschäden im Gelenk durch arthroskopische Verfahren behandelt werden.

Bei einer O-Verbiegung wird wegen des geringeren Operationstraumas (keine zusätzliche Durchtrennung des Wadenbeins bzw. keine Lösung des Schienbein-Wadenbeingelenks, keine Muskelablösung, keine Beinlängenverkürzung, nur ein Knochenschnitt) wird die „Opening-Wedge-Technik“ bevorzugt. Dabei wird ca. 4 cm unterhalb des Kniegelenksspaltes das Schienbein von innenseitig durchtrennt, der Knochenspalt je nach erforderlicher Korrektur aufgespreizt und durch eine Platte mit winkelstabilen Schrauben (Tomofix) stabilisiert. Mit der gleichen Technik können auch andere Fehlstellungen („X-Beine“) behandelt werden. Hierzu ist dementsprechend der Ort der Korrektur zu variieren, je nach Grundproblem der Fehlstellung. Bei ausgeprägten Fehlstellungen kann es auch notwendig sein, das Bein an zwei Stellen zu korrigieren, um eine biologische Gelenkstellung zu erreichen.

 

NACHBEHANDLUNG:

Nach erfolgter Beinachsenkorrektur erfolgt zunächst eine Teilbelastung des operierten Beines mit 20 kg. an zwei Unterarmgehstützen, sowie ggfs. die Anlage eine beweglichen Knieführungsschiene. Die Dauer der Teilbelastung beträgt in der Regel zwischen 3-6 Wochen und richtet sich nach Art und Weise der erfolgten Korrektur, den Beschwerden und dem röntgenologischen Verlauf mit der Beurteilung der knöchernen Durchbauung. In der Regel ist nach 6 Wochen postoperativ von einer knöchernen Durchbauung des korrigierten Knochens auszugehen.

Postoperativ ist eine physiotherapeutische Behandlung und Lymphdrainage erforderlich. Für die Zeit der Teilbelastung des operierten Beines ist eine Thromboseprophylaxe zu empfehlen. Die eingebrachte Platte und Schrauben sollte nach 18 Monaten entfernt.

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